"In der verschneiten Winternacht vom 16. zum 17. Dezember 1978 brannte es auf der Alten Burg, dem ältesten historischen Gebäudekomplex der Stadt. In Brand geraten war der Palais, das wuchtige und größte Gebäude der Burg, nach 1945 Sitz der Stadtverwaltung der Stadt Storkow. Gegen 23.40 Uhr brach das Feuer aus. Der damalige Bürgermeister Rudi Fessel schreibt in seinen Erinnerungen, dass er bereits um 23 Uhr von dem Taxifahrer Horst Reinike zu Hause abgeholt wurde. Auf der Burg sei bei seiner Ankunft bereits ein Feuerwehrmann gewesen. Der Brand müsste somit entgegen bisherigen Erkenntnissen schon eine Stunde früher entdeckt worden sein. Aus dem Protokoll der Feuerwehr vom 19. Dezember 1978 geht jedoch hervor, dass diese durch den Anruf eines Herrn Reinicke erst um 0.20 Uhr informiert und somit der Alarm erst um 0.22 Uhr ausgelöst wurde. Andere Zeugen erzählten jedoch, um Mitternacht sei die Feuerwehr bereits vor Ort gewesen.

 

Diese Widersprüche klärten sich nach einem Gespäch mit dem Storkower Josef Jelitto. Er erzählte, was er in dieser Nacht erlebte.

 

Nach einer Feier in Hubertushöhe fuhren er und seine Frau mit dem letzten Zug nach Storkow. Dieser Zug kam gegen 1/2 12 Uhr an und sie machten sich zu Fuß auf den Weg nach Karlslust. Als sie gegen 24 Uhr die Kreuzung erreichten, sahen sie Rauch über der Burg. J. Jelitto dachte noch bei sich, der Hausmeister heizt ja ganz schön ein. Aber plötzlich hörte er ein Knistern und ihm war sofort klar, dass die Burg brannte. So schnell er konnte, er mußte nach einer Operation am Stock gehen, lief er auf dem Burghof und klopfte mit seinem Stock an die Fenster und die Tür der Hausmeisterwohnung. Aber der Hausmeister Hans Kraft und dessen Frau waren gar nicht zu Hause. Frau Jelitto hatte unterdessen am Kutscher- oder wie es auch genannt wurde, am Rittmeisterhaus geklopft und die Bewohnerin, Frau Werth, geweckt. Diese sagte den Jelittos, dass die Hausmeistersleute nach Berlin gefahren waren. Mittlerweile kam ein Taxi von einer Feier in Karlslust, das war Horst Reinicke. Und J. Jelitto schickte ihn zu Rudi Fessel, dem Bürgermeister. An der Burg befand sich ein Feuermelder. Aber aus Angst, dass bei einer Betätigung die ganze Anlage ausfallen würde, verzichtete Jelitto darauf, den Alarm auszulösen. Hartmut Knorr lief statt dessen zum Feuerwehrhaus und alarmierte von dort die Feuerwehrleute. Mittlerweise waren durch die Fenster der oberen Etage die Flammen zu sehen, nicht in der Hausmeisterwohnung. J. Jelitto sagte, dort sei noch alles dunkel gewesen.

 

Bald kam auch der Bürgermeister, aber er traf keinen Feuerwehrmann an, sondern es war J. Jelitto, der mit ihm auch versuchte, in das Gebäude zu kommen. Beim Öffnen der Haupteingangstür gab es eine Verpuffung, so dass sie die Tür schleunigst wieder schlossen. Aber Jelitto und auch Rudi Fessel zufolge waren im Erdgeschoß noch keine Flammen zu sehen.

 

Die Storkower Feuerwehrleute kamen, wie konnte es zu dieser Zeit kurz vor Weihnachten auch anders sein, ebenfalls von einer Feier. Der Fahrer des Feuerwehrautos war Kurt Fleischer. Die Bekämpfung des Brandes gestaltete sich äußerst schwierig. Zunächst versuchenten die Storkower allein, die Situation zu meistern. Aber dann kam Hilfe aus Wendisch Rietz, Philadelphia, Selchow und Kummersdorf. Aus das Kommando der Feuerwehr Fürstenwalde mit 3 Löschfahrzeugen und ein Löschfahrzeug der NVA Storkow waren im Einsatz. Die Anfahrten wurden durch spiegelglatte Straßen erschwert. Die Löscharbeiten selbst wurden durch den starken Frost, der mindestens 10 Grad minus betragen haben soll, behindert, denn die Hydranten waren eingefroren. Das Wasser musste aus Burggraben und Mühlenfließ entnommen werden. Ständig drohte das Wasser in den Schläuchen einzufrieren. Die große Drehleiter musste eine Woche lang stehen gelassen werden, weil sie sich in gefrorenem Zustand nicht zusammenschieben ließ.

 

Gegen 2.30 Uhr hatten die Feuerwehrleute den Brand unter Kontrolle. Durch das Feuer wurden das Dachgeschoss sowie die obere Etage, in der sich die Arbeitsräume des Rates der Stadt befanden, und die darunter befindliche Wohnung des Hausmeisters völlig zerstört. Der linke Flügel, in dem sich das Standesamt, die Stadtbibliothek und das Archiv befanden, waren mehr durch Wasserschäden in Mitleidenschaft gezogen. Das angrenzende Gebäude, das sogenannte Alte Brauhaus und auch das gegenüberliegende Fachwerkhaus blieben vom Feuer verschont. Als Brandursache wurde ein defekter Boiler in der Wohnung des Hausmeisterehepaares vermutet.

 

Eine zweite Ursache für den Brand könnten auch Heizkörper gewesen sein, die als Ersatz für die zu jener Zeit durchgeführten Reparaturen an der Heizungsanlage in den Arbeitsräumen eingesetzt wurden.

 

Nach Jelittos Bericht, war in der Hausmeisterwohnung kein Feuerschein zu sehen, als er versuchte, die Hausmeisterleute zu wecken. Mithin kann das Feuer dort auch nicht ausgebrochen sein."

 

 

 

 

Quellennachweis: "Dienst im Zeichen des St. Florian" Sybille Seelmann